Griechenlands befürchtete Staatspleite beeinflusst Kapitalmarkt
Um eine fünfjährige Anleihe in Milliardenhöhe platzieren zu können, locken die hoch verschuldeten Griechen mit einer hohen Verzinsung. Diese hohe Verzinsung von 3,5 Prozentpunkten über Swap-Mitte begeistert die Investoren. Das entspricht einer Verzinsung von 6,5 Prozent im Jahr und liegt somit 0,3 Prozentpunkte über der Verzinsung der ausstehenden Anleihe mit Laufzeit bis Juli 2015. Der erhoffte Effekt zeigte sich schon am Montag, die Bondemission war mit knapp 20 Mrd. Euro fast vierfach überzeichnet. Die griechischen Anleihen legten zu und sorgten auf dem Kapitalmarkt für Erleichterung. Um acht Basispunkte auf 5,83 Prozent fiel die Rendite auf fünfjährige Bonds. Bei deutschen Bundesanleihen gleicher Laufzeit verringerte sich der Aufschlag von 362 auf 352 Basispunkte. Bei Anleihen gibt es eine gegenläufige Bewegung von Kursen und Renditen.
Ein Finanzexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hält die Rendite für sehr attraktiv und das Risiko, dass Griechenland in den nächsten fünf Jahren ausfallen könnte, für vernachlässigbar. Gleichzeitig gingen die Kosten für eine Versicherung gegen die Staatspleite Griechenlands zurück. Laut dem Datendienstleister CMA Datavision fiel der Aufschlag auf Kreditderivate innerhalb einer Woche von 350 auf 329 Basispunkte. Die Versicherung von griechischen Bonds im Umfang von 10 Mio. $ würde somit 329.000 $ jährlich kosten. Unicredit-Analyst Kornelius Purps brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass ein Erfolg dieser Anleihe die Angst auf dem Markt nehmen würde und die Griechen dann vielleicht in zwei Wochen mit einer neuen Anleihe kämen, auf die sie dann nur 5 Prozent zahlen würden.
Die Angst vor einer Staatspleite Griechenlands wegen der prekären finanziellen Situation beschäftigt die Anleger seit Wochen. Erst im vergangenen Oktober hatte Athen entgegen der Angabe der Vorgängerregierung die Schätzung für das Defizit mit 12,7 Prozent auf mehr als das Doppelte angehoben. Daraufhin erfolgte eine Abstufung der Bonität der Hellenen durch die Ratingagenturen, was zu einem Ausverkauf bei Staatsanleihen führte. Die griechische Regierung hat sich vorgenommen, das Staatsdefizit in diesem Jahr auf 8,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) herunter zu schrauben. Das Land peilt sogar für 2013 einen EU-konformen Haushalt und somit ein Defizit von unter drei Prozent des BIP an.
In Brüssel bemerkte der Vorsitzende der Ministerrunde, der Luxemburger Jean-Claude Juncker, dass Griechenland zwar Schritte in die richtige Richtung mache, dennoch hegen die Euro-Finanzminister Misstrauen gegenüber den griechischen Sparplänen und halten diese für ungenügend. Auch der Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibt aufrecht erhalten. Der Gouverneur der österreichischen Notenbank und Mitglied des EZB-Rats Ewald Nowotny teilte der „Financial Times“ mit, dass es um die Einhaltung der Spielregeln gehe. Trotzdem sollte der Einfluss der Probleme Griechenlands auf die Euro-Zone aber auch nicht übertrieben werden.


Januar 29, 2010 







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