Öllager in Rotterdam voll – Benzinpreise weiter hoch

In der Wirtschaftskrise verbraucht die europäische Industrie so wenig Öl wie selten zuvor. Das spiegelt sich in steigenden Vorräten wider: In dem wichtigen Umschlagplatz Rotterdam gibt es keine Lagerplätze mehr - und 40 Tanker dümpeln vor sich hin. Die Nachfrage nach Öl, Benzin, Kerosin und anderen Produkten in Europa ist so schwach, dass die Lager am Hafen von Rotterdam stark anschwellen.

Die Situation in Rotterdam ist ein Indiz nicht nur für Europa, sondern auch für die weltweite Lage. Der Hafen ist eine Drehschreibe, die auch für globale Arbitragegeschäfte eingesetzt wird. Arbitrage bedeutet, dass Preisdifferenzen in verschiedenen Märkten ausgenutzt und Schiffe entsprechend umgeleitet werden. Die Lagerkapazität beläuft sich International auf 12 Millionen Barrel. Darin nicht eingerechnet sind die Tanks von Firmen wie Shell, BP oder Esso.

Ein entscheidender Faktor hinter dem Anschwellen der Lager ist die momentane Preiskonstellation: Öl zu sofortigen Lieferung notiert gegenüber Terminkontrakten mit einem Abschlag, was im Fachjargon "Contango" genannt wird. Statt Öl auf dem Spotmarkt zu verkaufen, wird es gespeichert - und erst in der Zukunft losgeschlagen. Das geschieht auch auf hoher See. Nach Schätzungen der norwegischen Reederei Frontline lagern derzeit weltweit rund 100 Millionen Fässer Öl in Tankern.

Seit September einigte sich die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) auf Kürzungen von 4,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich, um den Preisverfall zu stoppen. Doch die Nachfrage bleibt weltweit schwach, was den Preis drückt. Am Mittwoch kostete US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) knapp 51 Dollar. Der Markt ist überversorgt. In Europa und den Vereinigten Staaten befinden sich die Vorräte auf historischen Höchstständen. Laut der Internationalen Energieagentur schwollen die Lager in den Industriestaaten im Februar um 7,5 Millionen auf 2,74 Milliarden Barrel an. Entscheidend dafür sind Heizöl und Kerosin, in Deutschland legten die Puffer um 2,3 Millionen Barrel zu. In den USA werden die höchsten Ölvorräte seit 1990 verzeichnet.

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