Handy und Chipkarte als Fahrschein
Der gute alte Fahrschein hat bald ausgedient. Handy und Chipkarte sind als elektronisches Ticket auf dem Vormarsch. Schon weit über drei Millionen Chipkarten werden im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt. Bis 2012 soll sich diese Zahl verdreifachen. Dafür werden vom Bund 10 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Projekte im Rhein-Main-Gebiet, in Berlin-Brandenburg, Hamburg oder Dresden sollen davon profitieren. Die Vision des E-Tickets Deutschland, die Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee bei der Päsentation der Förderung hatte, soll mit einer elektronischen Fahrkarte die bundesweite Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs möglich machen.
Um diesem Ziel näher zu kommen hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) eine Kernapplikation von seiner Tochterfirma entwickeln lassen. Die VDV-Kernapplikation zählt weltweit zu den ausgereiftesten Techniken. Der Clou: Alle E-Tickets auf Basis der VDV-Kernapplikation sind untereinander kompatibel. Wer also eine entsprechende Chipkarte hat, kann sie in verschiedenen Verbünden nutzen. Damit jedoch eine Chipkarte bundesweit eingesetzt werden kann, müssen die Verkehrsunternehmen untereinander die organisatorischen Voraussetzungen schaffen. Der deutsche E-Ticket-Standard sieht verschiedene Funktionen vor: Hierzu gehören das bargeldlose Bezahlen, ein elektronisches Ticket als Ersatz für den Papierfahrschein und die automatische Fahrpreisfindung. Jedes Verkehrsunternehmen kann für sich entscheiden, welche es nutzt. Heute haben rund 1,5 Millionen Kunden der Verbünde VRR, VRS und VGN in Nordrhein-Westfalen ein E-Ticket als Abokarte.
Geringere Kosten, mehr Umsatz und die höhere Sicherheit sind Argumente für die neue Technik. Eine Chipkarte ist deutlich schwerer zu fälschen als ein Fahrschein. Außerdem kann sie gesperrt werden - etwa wenn ein Kunde sie verliert oder sein Abo nicht mehr zahlt. Immer mehr Verkehrsunternehmen führen das System daher ein. Davon profitieren auch viele Hersteller von Chips, Lesegeräten und Verarbeitungssoftware - besonders der Chiphersteller NXP, der Chips für rund acht Millionen Karten liefert.
Selbst außerhalb der Ballungsgebiete wird die Chipkarte bereits eingesetzt. In Schwäbisch Hall wird die Karte beim Ein- und Aussteigen einfach vor ein Lesegerät gehalten und der Fahrpreis wird vom Guthaben abgezogen. Für die Deutsche Bahn ist ein ähnliches System in der Testphase. Hier soll das Chiphandy statt der Karte eingesetzt werden. Motorola und auch Nokia wollen entsprechende Mobiltelefone auf den Markt bringen, sobald die Testphase überwunden ist.


April 30, 2009 







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