Afrika treibt Benzinpreise in Europa in die Höhe

Trotz sinkenden Ölpreises sind die Preise an den Tankstellen weiterhin auf einem hohen Niveau. Der ADAC zeigt Unverständnis und die Mineralölindustrie weist Vorwürfe zurück. Als Grund für dieses Phänomen nennen Marktteilnehmer den Ankauf von Unmengen Super in Rotterdam durch Nigeria. Durch die starke Nachfrage aus Afrika wird der europäische Benzinpreis verzerrt. Momentan ist der Preis für die Sorte „Premium Unleaded“ in der Region „Amsterdam Rotterdam Antwerpen“ (ARA), dem wichtigsten Umschlagplatz Europas, relativ hoch. Deutlich mehr als im Dezember 2009 kostet die Tonne aktuell zwischen 703 $ und 710 $.



Thomas Bakosch, Experte beim Analysehaus OMR, FTD.de, macht hierfür die hohen Importe nach Westafrika verantwortlich. Den Raffinerien in Nigeria fehle es an Kapazitäten, weshalb enorme Mengen dieses Super-Benzins ins Land eingeführt würden. Dies wirkt sich auch auf den Benzinpreis in Deutschland aus, da deutsche Vertragspartner die Premium-Unleaded-Preise als Kalkulationsgrundlage nutzen, die dann letztendlich die Tankstellenpreise beeinflussen. OMR erstellt Berichte, indem es bei den Markteilnehmern die Preise erfragt. Etwas weniger, aber immer noch deutlich zu erkennen, ist der Preisanstieg der Benzinsorte EBOB. Die Nachrichtenagentur Bloomberg ermittelte in einer Umfrage, dass sich die Preise bei rund 698 $ bis 703$ pro Tonne bewegen. Laut Brokerhaus PVM Oil Associates liegt die Differenz zum Nordseeöl Brent bei rund 8 $ pro Fass. PVM gibt an, dass das der höchste Spread seit dem 12. August sei.



Wie das Wiener Beratungshaus JBC Energy in einem Researchbericht schrieb, ist der Markt für leichte Destillate momentan ziemlich eng. Die hohe Nachfrage aus Westafrika und dem Nahen Osten kommt noch erschwerend hinzu und führt zu einer Stützung des europäischen Benzinpreises. Bisher profitiert der Verbraucher nicht von dem wieder gesunkenen Ölpreis. Das US-Rohöl West Texas Intermediate (WTI) und das Nordseeöl Brent notieren momentan bei 76,50 $ und 75,50$. Der Höchstpreis lag Anfang Januar bei WTI sogar bei mehr als 83$. Der ADAC kritisierte, dass die fallenden Ölpreise sich bisher nicht an der Tankstelle niederschlugen.



Die Mineralölindustrie muss sich derzeit der scharfen Kritik des ADAC aussetzen. Jeder Liter Superbenzin sei angesichts der tieferen Rohölpreise im Schnitt vier Cent zu teuer. Der ADAC rechnete vor, dass die Mineralölkonzerne deshalb jeden Tag einen einstelligen Millionenbetrag zusätzlich kassierten. Die Anbieter weisen diese Kritik zurück und begründen die Preise mit der aktuellen Marktsituation.

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